Gute Argumentation. Aber Gamepires und andere Studios finanzieren sich nicht nur durch einmalige Spielerkäufe oder DLCs. Spezifisch auf Gamepires bezogen, ist es so, dass meist auch ein Publisher dahinter steht. Und Publisher sind auch oft die Investoren - daher haben sie auch den Finger auf dem Knopf, um Druck zu machen, wenn es um Time- und Deadlines geht. Gamepires wäre schon pleite gewesen, wenn damals Jagex nicht gekommen wäre. Die 1.0 kam unfertig und mit den altbekannten Bugs raus, ich kann nur vermuten, dass Jagex, der damalige Publisher und Besitzer von Gamepires, vor dem Weiterverkauf einfach noch die Kohle vom Release-Hype mitnehmen wollte, sonst hätten sie sich noch mindestens 1 Jahr Zeit gelassen. Der jetzige Besitzer ist ebenfalls ein Investor, der eine andere Kerbe einschlägt. Billig produzierte DLCs und Personaleinsparungen. Dass sich das auf die Qualität der Updates auswirkt, haben ja viele inzwischen auch schon bemerkt.
Aber: Gamepires hat zuvor auch schon Geld verdient. Zum Beispiel gibt es europäische Fördertöpfe für Softwareentwickler. Zudem gibt es in vielen europäischen Ländern nochmal gesonderte Fördertöpfe. In Deutschland war es das "Verkehrs- und Digitalministerium", das z.B. Egosoft (X4: Foundations) jedes Jahr mit einem hohen 6-stelligen Betrag gefördert hat. Egosoft haut auch DLCs raus, die allerdings auch einen Mehrwert bieten als nur optische Überarbeitungen. Außerdem verdient ja Gamepires auch an den vermieteten Servern nicht wenig mit dazu. Gamepires hat dadurch weniger Kosten, da sie keine riesigen Serverfarmen unterhalten müssen, und G-Portal und Co. latzen für die Nutzung der Software/des Spiels einen prozentualen Anteil ab. Ich bin der gleichen Meinung wie Gronkh: Die Investoren/Besitzer/Publisher, sollten sich nicht in die Spielentwicklung einmischen, und die Entwickler nicht in das Marketing der Publisher.
Es geht wohl auch weniger um die Art, wie man SCUM spielt, sondern, dass es viele dreist finden, dass offenbar Ressourcen und Zeit für DLCs vorhanden sind, aber jahrealte Bugs und Fehler wegen ihrem Spaghetti-Code noch immer nicht behoben sind. Stell dir vor, das verbuggte Cyberpunk 2077 wäre rausgekommen, und ein, zwei Monate später hätte der Entwickler ein teures DLC rausgehauen, keins mit Story oder neuen Charakteren - nein, ein DLC, wo man 2-3 neue Klamotten hat und sein Auto neu lackieren kann...man hätte doch CD Projekt RED wegen dieser Dreistigkeit noch mehr in der Luft zerrissen als ohnehin schon. Kein seriöser Spieleentwickler oder Publisher würde so eine DLC-Politik fahren wie derzeit Splash Damage - nicht, wenn das Game noch so viele Macken hat und nach jedem Update neue/alte Bugs dazukommen.
Wenn das Grundspiel verbuggt ist, Dinge reinkommen, nach denen keiner gefragt hat, und Dinge nicht gefixt werden, die seit Jahren ein Problem sind, hat das nichts mit der Art zu tun, wie einige das Spiel spielen. Die Leute sind enttäuscht, dass sie keinen Gegenwert bekommen. Ich glaube, die meisten hier würden Gamepires weiter unterstützen und DLCs kaufen, wenn man merkt, dass man ernsthaft an den Problemen des Grundspiels arbeitet und das Game sinnvoll erweitert und modernisiert. Ich spiele und letsplaye SCUM immer noch gerne, und dieses Spiel hat noch großes Potenzial. Aber mit der derzeitigen Politik, die da gefahren wird, werden sie immer mehr Spieler verlieren, ergo werden kaum noch Leute die DLCs kaufen, weil kaum neue Spieler dazukommen (wie auch, wenn die großen Youtuber als kostenlose Werbeträger wegfallen?), und dann wird der Support irgendwann endgültig eingestellt. Dann wird keiner mehr fragen, wie die sich jeden Tag die Brötchen verdienen. Dann dürfen sie sich einen neuen Job suchen. Klingt hart, aber so ist das Business. Gamepires hat an der derzeitigen Situation wohl die wenigste Schuld. Die haben nicht das Sagen. Die müssen tun, was kurzfristig Geld reinbringt. Gamepires selbst hätte sowas früher auch machen können. Dass sie es 8 Jahre nicht getan haben und nach der Übernahme jetzt tun, zeigt, dass es nicht ihre Entscheidung ist, dass sie ihr Spiel derzeit Richtung Sackgasse fahren.
Ich glaube, wir reden bei der Finanzierung etwas aneinander vorbei. Publisher, Investoren, mögliche Förderungen und weitere Finanzierungswege widersprechen meinem ursprünglichen Punkt nicht. Ich habe auch nicht behauptet, dass sich Gamepires ausschließlich über Spielverkäufe und DLCs finanziert. Mir ging es darum, dass ein seit 2018 weiterentwickeltes Spiel langfristig auch laufende Einnahmen braucht.
Bei den alten Bugs bin ich allerdings zu 100 % bei dir. Einige Probleme bestehen viel zu lange, und neuer kostenpflichtiger Content darf kein Ersatz dafür sein, diese Baustellen endlich anzugehen.
Gleichzeitig frage ich mich aber, ob wir gerade teilweise genau den Prozess sehen, erst einmal die Basis neu und stabiler aufzubauen. Bei den Free-Roaming Animals wissen wir das sogar: Gamepires hat ausdrücklich erklärt, dass nicht einfach das alte System wieder eingeschaltet wurde. Das alte System hatte Performanceprobleme, deshalb wurde das Wildlife-System neu aufgebaut und soll gleichzeitig eine stärkere Grundlage für weitere Verbesserungen schaffen.
Und genau da liegt meine Vermutung: Wenn man nach dem Wechsel festgestellt hat, dass bestimmte grundlegende Systeme erst sauber neu aufgebaut oder stabilisiert werden müssen, kann ich nachvollziehen, dass man dort anfängt. Es bringt wenig, hinten Fehler auszubessern, wenn die technische Grundlage darunter anschließend ohnehin verändert wird. Ob sie tatsächlich das gesamte Spiel auf diese Weise Stück für Stück durchgehen, wissen wir natürlich nicht.
Seit der Übernahme ist jedenfalls nicht nichts passiert: Es gab QoL-Arbeiten und weitere Patches, mit Into the Wild eine neue Update-Struktur, Erweiterungen bei Hunting, Fishing, Farming, Cooking und Survival, die Rückkehr der Free-Roaming Animals, Änderungen am Tierverhalten, neue Tutorials und Quests, Mutant Animals, 80-Spieler-Support auf offiziellen Servern, die TEC1 Research Facility sowie weitere Änderungen und zahlreiche Fixes und Hotfixes.
Das entschuldigt die alten Probleme nicht. Wenn tatsächlich zuerst die Basis stabilisiert wird, erwarte ich auch, dass anschließend die alten Baustellen konsequent angegangen werden.
Was mir momentan allerdings fehlt, ist mehr Kommunikation über den größeren Plan. Im Mai wurde mit Into the Wild ziemlich konkret kommuniziert, was passieren soll, und die Season wurde später sogar bis August und September verlängert. Jetzt sind wir Ende September. Ich würde gerne wissen: Wo stehen wir jetzt? Was hat Priorität? Was wird als Nächstes angegangen und wie sieht der weitere Plan aus?
Denn sonst können wir hier bis nach Meppen diskutieren, was intern möglicherweise passiert – am Ende bleibt vieles davon Spekulation.
Und genau deshalb tue ich mich mit „SCUM ist tot“ so schwer. SCUM hat Probleme, teilweise seit Jahren. Aber es wird weiterhin entwickelt, Systeme werden neu aufgebaut, Content kommt und Fehler werden behoben.
Ich spiele selbst seit der ersten Stunde und habe mittlerweile über 12.000 Stunden in SCUM. Ich möchte weder etwas schönreden noch die Probleme kleinreden.
Für mich ist SCUM nicht tot. Entscheidend ist jetzt, ob Splash Damage und Gamepires auf dieser Arbeit aufbauen, die alten Baustellen konsequent angehen und der Community endlich klarer zeigen, wohin die Reise als Nächstes geht.