Ich lese momentan sehr viel darüber, dass SCUM angeblich am Scheideweg steht, zu viele DLCs bekommt und Entwickler endlich aufhören sollen, ständig neue kostenpflichtige Inhalte zu veröffentlichen.
Und bei aller berechtigten Kritik fehlt mir in dieser Diskussion eine ziemlich entscheidende Frage:
Wie soll die weitere Entwicklung eigentlich finanziert werden?
SCUM existiert seit 2018.
Wer das Spiel damals gekauft hat, hat Gamepires einmal Geld gegeben. Dieser Spieler kann heute 2.000, 5.000 oder 8.000 Stunden gespielt haben – er bezahlt Gamepires deshalb aber nicht jeden Monat erneut.
Die Mitarbeiter tun allerdings genau das: Sie arbeiten jeden Monat weiter.
Entwickler, Artists, Designer, QA, Support und all die anderen Menschen hinter einem Spiel bekommen am Monatsende ein Gehalt. Dazu kommen sämtliche weiteren Kosten eines Unternehmens.
Die arbeiten nicht acht Jahre lang für lau.
Deshalb finde ich die Forderung „weniger oder keine DLCs“ alleine etwas zu einfach.
Man kann über DLCs diskutieren. Natürlich.
Sind es zu viele?
Sind manche zu teuer?
Werden die richtigen Prioritäten gesetzt?
Sollten zunächst bestimmte Bugs behoben werden?
Welche Inhalte sollten kostenlos sein und welche dürfen Geld kosten?
Alles berechtigte Fragen.
Aber wer gleichzeitig möchte, dass SCUM noch jahrelang weiterentwickelt wird, muss auch die Gegenfrage zulassen:
Woher sollen die laufenden Einnahmen kommen?
Und Gamepires macht daraus nicht einmal ein Geheimnis.
Aktuell wird ein Product Design Lead für SCUM gesucht. Laut offizieller Stellenausschreibung soll diese Person SCUM über Updates, Quality-of-Life-Verbesserungen und bezahlte DLCs weiterentwickeln, einen 12- bis 18-monatigen Live-Plan verantworten und dabei Spielerwert, Qualität und wirtschaftlichen Erfolg miteinander verbinden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder DLC gut ist.
Es bedeutet aber sehr wohl, dass DLCs Teil des Geschäftsmodells sind, mit dem SCUM weiter betrieben und entwickelt werden soll.
Was mir außerdem in der aktuellen Diskussion auffällt:
Viele der lautesten Kritiker haben mehrere Tausend Stunden in SCUM.
Und irgendwann muss man vielleicht auch eine unangenehme Frage stellen:
Ist SCUM tatsächlich für jeden neuen Spieler langweilig geworden – oder haben manche von uns nach 3.000, 5.000 oder 8.000 Stunden einfach alles gesehen?
Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Ein neuer Spieler erlebt SCUM nicht mit unseren acht Jahren Vorgeschichte.
Er kennt nicht jeden Bunker.
Er kennt nicht jeden Loot-Spot.
Er kennt nicht jede Straße.
Er hat nicht jede Mechanik hundertmal benutzt.
Für ihn kann SCUM ein vollkommen anderes Spiel sein als für jemanden, der seit 2018 dabei ist.
Und genau deshalb finde ich Aussagen wie „Das Spiel ist tot“, „Kauft es nicht“ oder sinngemäß „Lasst SCUM sterben“ schwierig.
Kritik hilft einem Spiel.
Bugreports helfen einem Spiel.
Konstruktive Diskussionen über Gameplay, DLC-Preise, Mod-Support und Entwicklungsprioritäten können einem Spiel helfen.
Aber wenn wir gleichzeitig potenziellen neuen Spielern erzählen, sie sollten SCUM überhaupt nicht mehr kaufen, müssen wir uns zumindest fragen, wie das mit der Forderung zusammenpasst, dass anschließend mehr Geld und Entwicklungsarbeit in SCUM investiert werden soll.
Und noch etwas:
Ich glaube nicht, dass SCUM nur deshalb schlecht geworden ist, weil es nicht mehr exakt das SCUM von 2018 ist.
SCUM ist ein Survival-Spiel.
Dazu gehören für mich nicht ausschließlich PvP, Raids und möglichst viele Gegner umzuschießen.
Jagen gehört dazu.
Angeln gehört dazu.
Crafting gehört dazu.
Erkundung gehört dazu.
Basenbau gehört dazu.
PvE gehört dazu.
Und PvP gehört ebenfalls dazu.
Nicht jeder muss jede dieser Spielweisen mögen.
Aber vielleicht sollten wir aufpassen, unsere persönliche bevorzugte Art SCUM zu spielen nicht mit der Definition dessen zu verwechseln, was SCUM sein muss.
Ich will Gamepires nicht verteidigen.
Wenn etwas schlecht läuft, sollte man es benennen.
Aber genauso wenig möchte ich ein Spiel für tot erklären, nur weil langjährige Spieler mit seiner Entwicklung unzufrieden sind.
Kritik und Abgesang sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Und bevor wir fordern, dass weniger Geld mit SCUM verdient werden soll, während gleichzeitig erheblich mehr Geld in SCUM investiert werden soll, sollten wir vielleicht einmal darüber reden, wie diese Rechnung eigentlich aufgehen soll. 